Über schmutzige Luft, Plastik in den Ozeanen und Berge von Müll wird derzeit viel geschrieben. Aber der Boden unter unseren Füßen, ist das nur Dreck an unseren Schuhen? Oder nicht vielmehr Grundlage unserer Ernährung, vielfältiger Lebensraum, Schaltzentrale des Wasserhaushalts, wichtiges Element für den Klimaschutz? Für das neu gegründete Bündnis für Bodenschutz ist die Antwort ein klares Ja, denn Boden ist die unverzichtbare Grundlage allen Lebens.

In einer 2009 abgegebenen Erklärung versprach die Bundesregierung, den täglichen Flächenverbrauch bundesweit bis 2020 auf 30 ha zu reduzieren, ein mittelfristiges Ziel auf dem Weg zu einer Netto-Null-Neuversiegelung (Quelle BMU).

„Die Realität sieht jedoch ganz anders aus; noch immer gehen ca. 66 ha pro Tag verloren,“ so Ingrid Hagenbruch, eine der Initiatorinnen des neu gegründeten Bündnisses. „In einer Zeit extremer Klimaveränderungen muss die nicht enden wollende Versiegelung und Zerstörung unserer Erdoberfläche endlich gestoppt werden,“ ergänzt Dr. Babara Freeman, Mitbegründerin des Bündnisses.

Doch landauf landab sehen Kommunalpolitiker die Lösung der finanziellen Probleme ihrer Städte und Gemeinden in der stetigen Neuausweisung von Gewerbe- und Wohnbaugebieten.

Beispiel Weinheim / Bergstraße: Dort sollen 12,5 ha Felder und Obstwiesen einem Gewerbegebiet weichen. Fa. B&S möchte Lagerflächen dorthin verlegen.

Beispiel Neu-Eichenberg, Hessen: 80 ha bester landwirtschaftlicher Boden soll für Logistik-Hallen geopfert werden. Eines der Argumente sind Arbeitsplätze.

Oder Mörlenbach: Dort sollen 4.6 ha Wiesen und Felder Gewerbegebiet werden.

Freiburg: Ein neuer Stadtteil soll auf über 90 ha landwirtschaftlicher Fläche gebaut werden.

Ein weiteres Beispiel ist das Risstal bei Biberach: Zunächst sollen 45 ha Landschaft, teils Wasserschutzgebiet, zubetoniert werden, in der Endstufe sogar 140 ha. Ähnliches in der Wetterau, vor Frankfurt, überall.

Erschreckend dabei ist: Diese Aufzählung ließe sich mühelos fortführen! 

Und die Begründung für die hemmungslose Zerstörung der Natur ist stets gleich: Gewerbesteuer, Arbeitsplätze, neue Bürger….

Nach Meinung von Fachleuten verursachen neue Gewerbe- und Baugebiete in den meisten Fällen den Gemeinden hohe Kosten, bringen wenig ein, tragen sogar zu höherer Verschuldung bei. „Es ist nicht zu verantworten, hierfür fruchtbare Böden zu versiegeln.

Deshalb fordern wir: Schluss mit der Zerstörung von wertvoller Natur für neue Gewerbe- und Wohnsiedlungsgebiete,“ fasst Dr. Katja Roose, Bündnismitglied, zusammen.

Um diesem Anliegen mehr Gewicht zu verleihen, hat sich ein überregionales Netzwerk gegründet. Das noch junge Bundesbündnis Bodenschutz wird derzeit bereits von regionalen Untergliederungen der Naturschutzverbände BUND und NABU sowie von Bauernverbänden und anderen Organisationen und Experten unterstützt. Gemeinsames Ziel ist es, den notwendigen Schutz des Bodens in das Bewusstsein der Menschen zu bringen, um den Vorgaben der Nachhaltigkeitsstrategie massiven Nachdruck zu verleihen.

Appelliert wird an die Verantwortlichen in Bund, Land und Gemeinden, endlich nachhaltig und verantwortungsbewusst zu handeln: Statt Versiegelung fruchtbarer Böden Nutzung von Leerständen und Entwicklung im Innenbereich. Wachstum und Entwicklung muss nachhaltig erfolgen, ohne weiteren Flächenverbrauch!

Alle Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, das Bündnis zu unterstützen und sich anzuschließen.

RAin Hagenbruch 06201/258090.