Der BUND im Vogelsberg unterstützt das Bundesbündnis Bodenschutz


Wir erleben zur Zeit die denkbar brutalste Naturzerstörung vor unserer Haustür. Der Bau der A49 ist der klassische „Planungs-Dinosaurier“. Spätestens der gigantische Raubbau an Boden und Natur durch die A 49 hat uns gezeigt Ein “Weiter so…“ beim Flächenverbrauch hätte für uns alle fatale Folgen. Deshalb sind wir dem Bundesbündnis Bodenschutz beigetreten. Wir erleben eben den Ausverkauf bester landwirtschaftlicher Flächen und wunderbarer Wälder. Neben der A49 wird wie man hört -ein über 60 ha großes „Logistik-Areal“ in Homberg geplant–und noch einmal 40 ha Gewerbegebiet an der B 62 in Alsfeld“
Die A49 ist inzwischen zum Symbol geworden für die Verkehrswende, für Klimaschutz, für Schutz der Biodiversität und des Trinkwassers. All das kann man beim Spaziergang durch den Dannenröder Wald sehr rasch begreifen – nicht abstrakt, sondern ganz konkret.

Wer sagt das?

Leute aus der Region seit 30 Jahren, seit Monaten besuchen uns Tausende von Demonstranten -nicht nur aus der Fridays-for Future-Generation. Ohne diese jungen Leute wäre der Wald schon im letzten Oktober gerodet worden. Die aktuelle Unterschriften-Aktion von BUNDund anderen haben bereits 224.626 Menschen unterstützt (2.11.2020).

Der Dannenröder Wald ist ein ganz besonderer Wald. Naturfreunde empfinden die Abholzungen von ca. 80 Hektar gesundem Wald als bizarr, wenn gleichzeitig ringsum die klimageschädigten Wälder zusammenbrechen. Der letzte Abschnitt VKE 40 durchschneidet den weitgehend intakten und über 250 Jahre alten Mischwaldes „Dannenröder Forst“ und das FFH-Gebiet „5120-303 Herrenwald östlich Stadtallendorf“. Der Dannenröder Wald war schon vor 30 Jahren das bundesweit bekannte Paradebeispiel für „Naturgemäßen Waldbau“: ökonomisch kluges Wirtschaften mit ökologischem Mehrwert. Die 250 jährige Eichen sind „hotspots“ der Biodiversität (über 1000 Arten von Käfern und Großschmetterlinge leben in solchen Baumriesen). Jung-Eichen im Plastik-Futteral sollen Ausgleich sein für die Fällung von 250 jährigen Baumriesen im besten Eichen-Alter. Natürlich kann das nicht funktionieren – bis das funktioniert müssen 200 Jahre vergehen! Ein besonderes Trauerspiel ist die Durchführung eines FFH-Ausnahmeverfahrens das die Rodungen im Herrenwald ermöglicht hat. Der Planungsträger hat dazu „zwingenden Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses“ vorgebracht, die z.T. grotesk falsch waren.

Das Wasser.


Ebenso bizarr ist der Bau einer Autobahn quer durch ein Brunnen-Gebiet das 500.000 Menschen versorgt. Der am stärksten genutzte Trinkwasserkörper Hessens (ca. 75 % der Grundwasserneubildung wird genutzt) wird gefährdet. Und die Autobahn verläuft kilometerweit in der Wasserschutzzone 2. Besonders brisant sind die ausgedehnten Rüstungsaltlasten im Herrenwald (Trinitrotoluol etc. in direktem Kontakt mit dem Wasserkörper). Am 23. Juni 2020 hat das Bundesverwaltungsgericht die Klage des BUND gegen die A 49 verhandelt: der Planfeststellungsbeschluss 2012 hat die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) missachtet. Dennoch hatte das Gericht die Klage des BUND Hessen gegen den Weiterbau der A 49 nach langer Beratung abgewiesen.

Der Kampf gegen den Bau der A 49 hat uns deutlich gezeigt: die Verschwendung von Boden trifft uns im ländlichen Raum besonders hart.

Derzeit kämpfen wir gegen den letzten Abschnitt der A 49, die VKE 40. Dieser Abschnitt von Stadtallendorf bis zur A5 ist ca. 17 Kilometer lang. Er durchschneidet wertvolle Waldgebiete wie das FFH-Gebiet „Herrenwald“ und den über 250 Jahre alten Dauerwald „Dannenröder Forst“. Und: diese Autobahn ist ein gigantischer Landvernichter. Die Planfeststellung weist für diese 17 km Autobahn einen Flächenbedarf von 182 ha aus. Diese Flächen sind jetzt Wald und landwirtschaftlicher Boden. Hinterher sind dort 53 ha versiegelte Fahrbahn. 20 ha sind Bankette, ca. 76 ha sind neue Wege und Böschungen, der Rest nicht stärker befestigte „Nebenflächen“ und Arbeitsstreifen. Etwa 80 ha Wald werden gerodet. Dieser Wald ist ein ganz besonderer Wald und es ist wichtig für ihn zu kämpfen. Wir dürfen aber nicht vergessen: den massivsten Flächenverlust hat die Landwirtschaft. Die Flurbereinigungsbehörde weist einen Flächenbedarf von 640 ha aus. Natürlich wird diese Fläche nicht komplett versiegelt, aber insbesondere die Landwirtschaft verliert große Flächen, die dauerhaft nicht mehr für den Anbau gesunder, regionaler Lebensmittel zur Verfügung stehen.

Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten.

Unter diesem Motto kämpft der BUND seit 40 Jahren im Vogelsberg gegen den Ausbau der Bundesautobahn A 49. Der BUND fordert die Verkehrswende jetzt. Wir werben für eine zukunftsfähige Verkehrspolitik und wir stellen uns gegen die Zerstörung eines intakten Dauerwalds. Wir wissen: es gibt Baurecht für die umkämpfte Trasse. Aber Baurecht ist nicht Baupflicht. In den letzten 15 Jahren heben wir sehr viel gelernt über die nahende Klimakatastrophe Bedrohung, über die rapide schwindende Biodiversität und die Verletzlichkeit unserer Trinkwasservorräte. Und weil wir heute mehr wissen als zum Zeitpunkt der Planung fordern wir – und unsere Mitstreiter im Aktionsbündnis gegen die A 49 – deshalb den Rodungsstopp im Dannenröder Forst und ein Moratorium für dieses und vergleichbare Projekte und eine Überarbeitung des Bundesverkehrswegeplans.

Dipl. Biol. Dr. Wolfgang Dennhöfer
Am Triesch 21
36304 Alsfeld
w.dennhoefer@web.de

Der Link zur pdf-Datei:

Bodenschutz_Positionen_BUND_VB